Nachhaltigkeit im Weinbau

2. Fachveranstaltung „Nachhaltigkeit im Weinbau“

Mit dem Thema Nachhaltigkeit im Weingut befassten sich am Donnerstag, 20-11-2014 erneut rund 40 Winzer und Winzerinnen sowie Weinbauexperten auf einem Workshop im Weingut Raddeck in Nierstein.

Die Bemühungen von Winzerbetrieben für mehr Nachhaltigkeit standen im Mittelpunkt einer Veranstaltung im Weingut Raddeck in Nierstein. Zu der Veranstaltung des Institutes IESAR der Fachhochschule Bingen konnten Institutsleiter Prof. Dr. Gerhard Roller und Gastgeber Stefan Raddeck mehr als 40 Teilnehmer, darunter zahlreiche Projektpartner, begrüßen. Das Projekt „Nachhaltigkeit im Weinbau“, in dem zahlreiche Weingüter aus der Region mitwirken, wird von der Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Nach einer kurzen Vorstellung des Weingutes Raddeck und seiner betrieblichen Vorstellungen und Bemühungen zur Nachhaltigkeit durch Stefan Raddeck erläuterte Prof. Dr. Roller kurz die Gründe für das Projekt, die Zielrichtung desselben und stellte die jeweiligen Referenten und ihre Themen vor.

ETH - Schweiz
Franz Rosner, Forschungsanstalt Klosterneuburg - Österreich

Ludger Nuphaus vom Institut IESAR erläuterte den derzeitigen Projektstand und gab einen Ausblick auf den geplanten Handlungsleitfaden zur Kommunikation von Nachhaltigkeitsaspekten, der auch Best-Practice-Beispiele und eine Einführung zu dem im Aufbau befindlichen Umweltrechner enthält. Desiree Palmes stellte anschließend die Funktionen und den Nutzen der Erstanalyse innerhalb des Umweltrechners für die Betriebe und die Beratung vor. Sie wies besonders auf die Bewertung der Schutzgüter (Boden/Klima) und auf die angestrebten Verbesserungen bei der betrieblichen Datensammlung und Dokumentation hin. Die mögliche Ableitung von Kennzahlen, speziell für den Weinbau, wurde von ihr angesprochen, ebenso die Nutzung der Ergebnisse für die Nachhaltigkeitsbewertung. „Der von uns entwickelte Umweltrechner wird in Kürze auf der Projekthomepage „Nachhaltigkeit im Weinbau“ des Instituts IESAR öffentlich zugänglich sein“, so Palmes. „Dieses Werkzeug eröffnet Betrieben die Möglichkeit, eine Dokumentation und Bewertung ihrer Unternehmensprozesse hinsichtlich Material-, Stoff- und Energieströme vorzunehmen. Die Analyse umfasst ökologische Nachhaltigkeitsaspekte wie Diesel- und Wasserverbräuche, den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, die Nutzung von Energie und andere Aspekte. Ziel ist es, möglicher Einsparpotenziale zu erkennen und eine innerbetriebliche Bewertung der Daten durch einen Vergleich verschiedener Betriebsjahre zu erzeugen. Durch die Umsetzung zielorientierter Maßnahmen haben Winzer die Chance, sich im Sinne eines stetigen Verbesserungsprozesses ihren Betrieb zu optimieren“, erläuterte Palmes.

„Darüber hinaus bietet das System die Möglichkeit, eine überbetriebliche Bewertung der Daten vornehmen und Aufschluss darüber erhalten zu können ‘Wo stehe ich mit meinem Betrieb‘. Diese Vergleichsfunktion entsteht dadurch, dass die Daten aller Betriebe mit denen des eignen Unternehmens verglichen werden können. Dies setzt eine rege Beteiligung voraus. Damit haben Weinbaubetriebe die Möglichkeit, ihre Nachhaltigkeitsaspekte zu erfassen und gleichzeitig die Schritte für einen eigenen Nachhaltigkeitsbericht einzuleiten“ sagt Palmes.

Dr. Maximilian Freund vom Zentrum für Weinforschung und Verfahrenstechnologie der Getränke der, Hochschule GEISENHEIM stellte das mit europäischen Partnern entwickelte Projekt „Amethyst“ vor. Dieses Programm ermöglicht ebenfalls eine effizientere Energie- und Wassernutzung in Weinkellereien. Messungen zum Resourcenverbrauch im Weingut Raddeck und deren Bewertung erläuterte Bernhard Degünther vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum, Oppenheim.

Ein umfassendes Online-Werkzeug „Bewertung der Nachhaltigkeit von Weinbaubetrieben in Österreich“ präsentierte Franz G. Rosner von der Forschungsanstalt Wein- und Obstbau Klosterneuburg. Anschließend zeigten Richard Grünewald vom Weingut Grünewald & Schnell im Worms) und Prof. Dr. Bernd Ruhland von der Hochschule Worms Aufbau und Funktionen einer neu entwickelten Recycling-App für eine spezielle Pflanzenschutzmittelspritze vor. Mit dieser Anwendung können Winzer die Einsatzmengen von Pflanzenschutzmitteln genauer steuern. Beide zeigten sich erfreut, dass im Rahmen der Veranstaltung zwei weitere Betriebe zum Test der Anwendung gewonnen werden konnten.

Prof. Roller sprach abschließend die Hoffnung aus, dass die Veranstaltung weitere Fortschritte für mehr Nachhaltigkeit im Weinbau aufgezeigt und angestoßen hat.

ETH - Schweiz
Dr. Maximilian Freund, Hochschule Geisenheim

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