Nachhaltigkeit im Weinbau

Auftaktworkshop „Nachhaltigkeit im Weinbau“

Mit dem Thema Nachhaltigkeit im Weingut befassten sich am Donnerstag, 27.02.2014 rund 35 Winzer und Winzerinnen sowie Weinbauexperten auf einem Workshop an der Fachhochschule Bingen.

Instituts- und Projektleiter Prof. Dr. Gerhard Roller zeigte sich bei der Begrüßung erfreut über die große Resonanz bei den Winzern und Fachleuten aus dem Weinbaubereich.

Deutlich wurde, dass die Betriebe nicht bei null anfangen. Viele Winzerinnen und Winzer sind schon aktiv und denken auch daran, dass sie ein gut aufgestelltes Unternehmen an nachfolgende Generationen weiter geben wollen. Doch in den Betrieben kann noch mehr zur Entlastung der Umwelt, zur Unterstützung der Biodiversität und zum Verhältnis des Unternehmens zu verschiedenen Anspruchsgruppen geschehen.

Ludger Nuphaus fasste die Zielsetzungen des Vorhabens zusammen und Desiree Palmes, stellte das 3 Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit vor und erläuterte die geplante Herleitung von Nachhaltigkeitsindikatoren und –kriterien. Diese müssen sich an bestehende Anforderungen des Nachhaltigkeits-und umweltmanagements orientieren, wobei unterschiedliche Rahmenbedingungen der Betriebe im Hinblick auf verschiedene Bewirtschaftungsformen und –arten zu beachten sind.

Prof. Dr. Gerhard Roller, Ludger Nuphaus, Desiree Palmes

„Nachhaltigkeit im Weinbau“ [Download]

Am Beispiel seines Schweizer Weinbaubetriebes verdeutlichte Fredi Strasser Möglichkeiten, durch Anbau spezieller, pilzresistenter Sorten den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Diesel zu verringern. Durch gezielte Begrünung und durch den Einsatz von Unterstockkräutern könnte er die Artenzahl der Insekten und die Biodiversität im Weinberg erhöhen. Seine Motivation sei, dass er in seinem Betrieb etwas „für den blauen Planeten“ machen möchte.

ETH - Schweiz
Fredi Strasser, ETH - Schweiz

Biologischer Weinbau auf der Grundlage pilzwiderstandsfähiger Rebsorten Fallstudie und Modellrechnung zu klimafreundlichen Effekten am Praxisbeispiel [Download]

F. Strasser und M. Coray, Klimaschutz mit pilzresistenten Rebsorten - Fallstudie eines langjährigen Bioweinbaubetriebes [Download]

Dipl.-Ing. Agr. Fredi Strasser
v.li.: Dipl.-Ing. Agr. Fredi Strasser und Prof. Dr. Gerhard Roller

Der Wormser Winzer Richard Grünewald erläuterte verschiedene Maßnahmen, mit denen er die Nachhaltigkeit seines Betriebes verbessert hat. Durch LED-Beleuchtung und sinnvollen Kombinationen von Arbeitsprozessen konnte er Energiekosten senken. Er setzt spezielle Mischungen zur Zeilenbegrünung ein, die zur Düngung, zur Bodenverbesserung und zu erhöhter Biodiversität beitragen. Eine Schulklasse hat er in den Betrieb eingeladen, um mit ihnen über Maßnahmen zur Umweltentlastung zu sprechen. Für Grünewald, der seinen dritten Nachhaltigkeitsbericht verfasst hat, ist es wichtig, die drei Aspekte der Nachhaltigkeit möglichst glaubhaft in Einklang bringen. Den Kunden will er auch mit ins Boot nehmen und ihn auf seine Möglichkeiten hin zuweisen, wie er negative Umweltbeeinträchtigungen verringern kann, zum Beispiel durch die Wahl der Verpackung oder der Versandart. Für Grünewald machen die Nachhaltigkeitsbemühungen Sinn, sie sind ein lohnendes Ziel und ermöglichen gleichzeitig eine Kontrolle über die Erreichung der gesteckten Ziele.

Richard Grünewald
Richard Grünewald, Worms

Richard Grünewald, Weingut Grünewald & Schnell, Worms

5 Jahre Nachhaltigkeit im Weinbau –ein Zwischenbericht- [Download]

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es für Winzer wichtig ist, die ersten Schritte in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen und die ‚low hanging fruits‘ zu ergreifen. Speziell für Kleinunternehmen fehlt es noch an einem praktikablen Berichtssystem zu diesen Bemühungen, dass nun von uns entwickelt wird.

(Fotoquelle: Desiree Palmes)